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Können Wörter abwertend sein?

Lieber anhören:

Lieber selbst lesen:

„Lasst uns dafür einstehen, dass der Begriff in Deutschland als rassistisch eingestuft wird und ein Gebrauch des Wortes nicht mehr zur Normalität gehören darf.“ So lese ich es in einer Petition. Es geht um das Wort „Neger“, das die Antragstellerin in der Petition nur als N-Wort erwähnt. 

Ich möchte vorab ganz klarstellen, dass ich gegen jede Diskriminierung bin, sei es rassistischer oder sexistischer Art. Ich lebe das, was ich lehre – zumindest versuche ich es, so gut es geht.

Ich frage mich aber immer öfter, ob das Verdammen bestimmter Wörter oder das aus meiner Sicht krampfhafte Verwenden von Bezeichnungen, die sich auf beide Geschlechter beziehen, tatsächlich das bewirken, was sich die jeweiligen Verfechter davon versprechen. Ich wähle bewusst das Wort „Verfechter“, denn es handelt sich oft um Menschen, die mit einer solchen Vehemenz ihre Einstellung vertreten, dass sie regelrecht um deren Umsetzung kämpfen. Meine persönliche Einstellung dazu ist, dass Kampf nur Widerstand und Gegenbewegung hervorruft, kaum jedoch ein an sich wertvolles Ziel, nämlich die Gleichstellung von Menschen ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts.

Wenn ich also von mir selbst als Autor, Designer, Speaker und Coach spreche, werte ich damit meine Weiblichkeit ab? Ich meine „Nein“. Für mich sind das Berufsbezeichnungen und die haben nichts mit meinem Geschlecht zu tun. 

Ein respektvolles, verständnisvolles, wertschätzendes Verhalten ist meiner Ansicht nach eine Sache der inneren Haltung und nicht der Konditionierung von Worten. Die richtigen Worte ergeben sich automatisch aus dieser Haltung.

Bei all den aktuellen „Unworten“ weiß ich manchmal gar nicht mehr, wie ich einen Menschen mit sehr dunkelbrauner Hautfarbe benennen soll. Wieso ist es dagegen kein Problem zu sagen, dass jemand blaue oder braune Augen habe? Ist es abwertend, wenn ich jemanden als Ostfriesen bezeichne, nicht, aber wenn ich sage, jemand ist ein Frankfurter? Wie sieht es aus bei Blondine versus Brünette?

Für mich wäre die Veränderung dieser bereits erwähnten inneren Haltung wünschenswert. Wenn es selbstverständlich ist, dass nicht nur in Berufen Menschen egal, welchen Geschlechts auftauchen, sondern auch Zuschauer, Käufer, Nutzer, etc. beiderlei Geschlechts sind, dann wird sich die Terminologie meines Erachtens, wie von selbst daran ausrichten.