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Wer ärgert sich?

Die junge Frau ist zutiefst unglücklich an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz. Von einer ehemaligen Kollegin erhält sie das Angebot an einen anderen Arbeitsplatz zu wechseln. Dieses Angebot besteht schon länger, die junge Frau reagierte bislang jedoch immer abweisend. Alles, was mit Veränderung zu tun hat, löst bei ihr große Angst aus. Angst vor dem Neuen, davor etwaigen Anforderungen nicht zu genügen, teilweise auch einfach unerklärliche und nicht zuzuordnende Angst.

Endlich wird ein Kennenlerntermin vereinbart. Einen Tag davor sagt die junge Frau ab. Die Angst ist einfach zu groß. Die Kollegin reagiert verärgert. Was hat sie nicht alles unternommen, um der jungen Frau den Weg zu ebnen und ihr die Sache schmackhaft zu machen. Sie kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass diese nicht einmal das völlig unverbindliche Kennenlernen wahrnehmen möchte. Sie ist richtig sauer.

Ist ihr Ärger berechtigt? Aus ihrer Sicht vielleicht, denn sie hat sich ins Zeug gelegt und bewertet das Verhalten der jungen Frau womöglich als Abweisung. Wenn sie sich allerdings in die junge Frau einfühlen würde, würde sie erkennen, dass es hier überhaupt nicht um sie selbst geht. Sie könnte sehen, dass der jungen Frau das vertraute Unheil immer noch lieber zu sein scheint, als ein völlig unbekanntes Glück. Dann wäre sie in der Lage die Verstricktheit der jungen zu Frau bedauern, anstatt diese zu verürteilen.