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Verständige dich auf Gemeinsamkeiten

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Die Atmosphäre im Saal ist mehr als gespannt. Die Diskussionen werden hitziger und damit leider auch ungerechter. Die alte Garde verteidigt ihren Standpunkt, während die Veränderungswilligen immer heftiger dagegen argumentieren. Der Vorsitzende droht sein Amt niederzulegen – das ist halt leider auch eine Art von Erpressung –, die Mitglieder sind zutiefst betroffen und er bewirkt, was er wollte, ein erschrockenes Innehalten und Zurückrudern. Nur noch einen Bruchteil ist man davon entfernt, dass die Stimmung zu kippen droht.

In diesem Moment meldet sie sich zu Wort. Mit ruhiger und dennoch kraftvoller Stimme erklärt sie die Unterschiede zwischen Kompromiß, Konsens und Konsent. Alles Möglichkeiten, um zu einem Entscheid zu kommen. Sie sagt: „Lasst uns doch mal auf das fokussieren, was uns verbindet. Betrachten wir doch mal ganz nüchtern die unterschiedlichen Anregungen und versuchen wir dabei Schnittmengen zu finden.“

Der Fokus wird damit von Kampf, Verteidigung, Widerstand auf Verbindendes und Gemeinsamkeiten abgelenkt. Damit bleiben logischerweise die Punkte, über die eine Auseinandersetzung sich erübrigt. Ja, die Menge ist nicht besonders groß und dennoch bildet sie eine gute Basis für ein Weiterkommen.

Denn erst, wenn der alte Vorstand von den Veränderungswilligen in seinen Leistungen gesehen und wertgeschätzt wird, erst wenn die vielen Ideen der Veränderungswilligen vom alten Vorstand anerkannt werden und sie zumindest in Betracht ziehen, sich damit ohne Polemik auseinanderzusetzen, kann eine weitere Zusammenarbeit möglich werden.

Das war jetzt ein Beispiel aus einer Tagung in einem Berufsverband. Es lässt sich jedoch auf alle Situationen übertragen, in denen Bewährtes durch Innovatives auf den Prüfstand gestellt wird: Mit Anerkennung und Wertschätzung beider Parteien füreinander und statt auf Gegensätze lieber auf Gemeinsamkeiten zu schauen, wird der Weg frei für ein Weiterkommen.