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Für mich ist es so!

Die Tochter jammert ihrer geschiedenen Mutter vor, „Der Papa hat mich gar nicht lieb!“ Die Mutter steht dem Vater mehr als kritisch gegenüber steht, möchte aber nicht, dass ihr Kind das merkt und antwortet: „Doch, doch, ganz sicher hat dich der Papa lieb.“

Sie meint es mit diesem Satz gut, will dem Kind versichern und glaubhaft machen, dass es vom Vater geliebt wird. Widerspricht damit jedoch den Empfindungen des Kindes. Die unterschwellige Botschaft lautet: „Dein Gefühl ist nicht richtig. Du siehst das falsch.“ Das macht die Tochter jedoch nur noch verzweifelter, denn für sie ist es eben anders und jetzt kann sie sich offenbar nicht einmal mehr auf ihr Gefühl verlassen.

Besser wäre es, die Tochter zu fragen: „Woran würdest du denn merken, dass der Papa dich lieb hat?“ Vielleicht würde die Tochter antworten: „Wenn ich ihn öfter besuchen dürfte.“ Oder „Wenn ich ihn immer anrufen könnte.“ Oder „Wenn der nicht seine Zeit lieber mit dieser dummen Tusse verbringen würde.“

Auf alle diese Sätze kann man eingehen, in dem man sie quasi mit eigenen Worten wiederholt. Etwa „Bist du also traurig, weil du den Papa nicht so oft besuchen kannst, wie du es möchtest?“ Oder „Wärest du zufriedener, wenn du sicher wüsstest, dass du den Papa jederzeit anrufen kannst?“ Oder „Fürchtest du, dass der Papa nicht genug Liebe für dich übrig hat, seit er mit seiner neuen Frau zusammen ist?“ Das Kind fühlt sich dann nämlich in seinem Kummer ernst genommen.

Dann kann man je nach Situation und Reaktion des Kindes entweder versichern, dass man es unterstützt diese Anliegen beim Papa vorzutragen, oder man schaut, ob man es dabei bewenden lassen kann und versucht diese Themen unter vier Augen mit dem Vater des Kindes zu besprechen. Das setzt allerdings voraus, dass man seinen eigenen Groll be- und verarbeitet, denn sonst wird so ein Gespräch sicher nicht so gut gelingen. Vielleicht macht es auch Sinn sich dafür Unterstützung zu holen.